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Grundlagen und Herausforderungen der Multimorbidität

Eine Analyse der Multimorbidität als komplexes Konstrukt aus multiplen chronischen Erkrankungen, deren Interaktionen und den daraus resultierenden biopsychosozialen Herausforderungen. Behandelt werden Definition, Epidemiologie, Krankheitscluster, Frailty, Treatment Burden, Polypharmazie und Lösungsansätze.

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In der modernen Medizin stellt die Multimorbidität eine der größten klinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen dar. Während die klassische Medizin oft darauf ausgerichtet ist, einzelne Krankheiten isoliert zu behandeln, zeigt die Realität vieler Patientinnen und Patienten ein weitaus komplexeres Bild: Das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen, die sich gegenseitig beeinflussen und in einem dynamischen Zusammenspiel mit dem sozialen Umfeld stehen. Ein Verständnis der Multimorbidität erfordert daher den Abschied vom rein biomedizinischen Fokus hin zu einem ganzheitlichen Blick auf das Individuum.

Definition und Epidemiologie

Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Konsens über eine allgemeingültige Definition der Multimorbidität. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert sie vereinfacht als das Vorliegen von „zwei oder mehr chronischen Erkrankungen“. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Multimorbidität nicht einfach die bloße Summe der Einzelerkrankungen ist. Vielmehr beschreibt sie die Art und Schwere der Kombination sowie die Vielzahl an Interaktionen zwischen den Erkrankungen, der Medikation, den sozialen Gegebenheiten und den individuellen Patientencharakteristika.

Epidemiologisch gesehen ist das Phänomen hochrelevant. Die Prävalenz steigt ab dem 40. Lebensjahr exponentiell an und erreicht bei älteren Menschen zwischen 55 und 98 Jahren Werte von 55 % bis 98 %. Ab einem Alter von 80 Jahren stabilisiert sich die Prävalenz auf einem sehr hohen Plateau. Angesichts der demografischen Entwicklung – in Österreich wird bis 2030 mit einem Anteil von etwa 25 % an über 64-Jährigen gerechnet – wird die Bewältigung multimorbider Zustände eine zentrale Aufgabe des Gesundheitssystems sein.

The prevalence of multimorbidity, defined as having two or more chronic diseases, increases exponentially with age, starting around age 40. This is attributed to biological aging processes, increased risk factors, and longer life expectancy.
The prevalence of multimorbidity, defined as having two or more chronic diseases, increases exponentially with age, starting around age 40. This is attributed to biological aging processes, increased risk factors, and longer life expectancy.

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